Der schmale Grat zwischen Euphorie und Fassungslosigkeit

Markus Knobloch Nr.10 erhielt für sein tolles Spiel von Travis Hudson die goldene MVP-Medaille

Markus Knobloch stand noch eine Stunde nach dem Spiel an der Wand gelehnt und hatte einen fassungslosen Blick. Es war für alle Akteure und Zuschauer eigentlich real nicht zu fassen, was eben im Fünften und entscheidenden Satz passiert war.
Was war bis dahin geschehen? Der VC gibt im ersten Satz einen sicheren Vorsprung ab und verliert 23:25. Im zweiten Satz spielt der Gastgeber dann endlich mal den Satz bis zum Ende durch und schafft mit 25:20 den Satzausgleich. Dann der unverständliche Einbruch nach der 10 Minuten Pause und der Satz geht klar mit 17:25 an Braunschweig. Erstaunlich nun das Aufbäumen im vierten Satz. Bis zum 23:19 steuerte die VC Sechs einem sicheren 2:2 entgegen. Aber wie schon öfters in dieser Saison, begann auf einmal das große Zittern. 23:22 und 24:23 ließen die Zuschauer wieder Spannung erleben. Aber der 2:2 Ausgleich gelang dann doch. Bis dahin war es sicher ein Spiel auf keinem sehr hohen Niveau, aber spannend allemal.


Der VC Bitterfeld- Wolfen brach im fünften Satz regelrecht ein. Über die Stationen 0:4 und 5:8 beim Seitenwechsel steuerten die Niedersachsen einem sicheren Sieg entgegen. Beim 14:6 hatte Braunschweig acht Matchbälle. Was dann passierte, werden wohl alle sehr lange nicht vergessen und es zeigt einfach auch wieder, dass im Sport alles möglich ist. Der erste Matchball wurde abgewehrt und Markus Knobloch ging zum Aufschlag. Wer gab jetzt noch einen Pfifferling auf eine Wende im Spiel? Markus Knobloch ist nun gerade nicht der beste Aufschläger im Team und Braunschweig hatte bei eigener Annahme siebenmal die Chance den Sack zuzumachen. Markus machte Aufschlag um Aufschlag und seine Mitspieler blockten auf einmal gut. Markus Knobloch rettete selbst einen Ball, indem er halsbrecherisch in den Spielerstühlen einen Ball im Spiel hielt. Dann noch eine skurrile Szene; ein Braunschweiger Spieler ging mit Wechseltafel in der Hand in die Auswechselzone. Markus legt den Ball auf den Boden, um zu warten. Jedoch der Schiedsrichter hatte schon angepfiffen, weil die Auswechselung zu spät angemeldet war. Alle umstehenden schrien Markus an, dass er doch schnell Aufschlag machen soll, denn nach acht Sekunden muss der Aufschlag erfolgt sein. So schlug er total hastig auf und wieder in der Folge machte der VC den Punkt. 11:14; 12:14; 13:14 sollte das unfassbare noch möglich sein? Ein Braunschweiger schlug einen Angriff knapp ins Aus 14:14. Erst dann ging der Aufschlag von Markus Knobloch ins Aus. Dann wieder Glück für den VC als der folgende Angriff von Marian Hrusik gut gegeben wurde, denn selbst viele Bitterfelder Zuschauer hatten den Ball knapp im Aus gesehen. Aber egal ob nun drin oder draußen der VC Bitterfeld- Wolfen hatte dadurch den insgesamt neunten Matchball abgewehrt. Beim 16:15 stand die Halle Kopf, ohrenbetäubender Lärm über diese unfassbare Wendung. Beim 18:16 hatte der VC Bitterfeld- Wolfen eine kleine Volleyballgeschichte geschrieben. Danach ging alles im Siegesjubel unter, mitten drin Co-Trainer Hansi Kreft, der den kranken Darko Despotovic auf der Trainerposition vertreten hatte.
Ich muss sagen, dass ich im Volleyball schon sehr viel erlebt habe und mir gerade in der Freude über den Sieg die Braunschweiger Volleyballfans sehr Leid taten. Wie entsetzt muss man sich gefühlt haben, wenn man am Liveticker oder bei der Liveübertragung bei Sportdeutschland TV diese Minuten miterleben musste? Wie nah können Euphorie und Fassungslosigkeit beieinander liegen? Dieses Spiel war auf jeden Fall ein Beispiel, was im Sport alles möglich ist und ist es nicht genau das, was Sport so faszinierend macht?


Markus Knobloch stand immer noch kopfschüttelnd an der Wand und holte mit einem verlegenen Lächeln aus seiner Trainingsjacke die Goldene MVP- Medaille. Diese Szene passte zum Spiel, denn eigentlich hatte der Gästetrainer Travis Hudson als MVP auserkoren. Travis überließ aber dem eigentlichen Helden des Matches diese Ehrung. Eine schöne Geste, die die mannschaftliche Geschlossenheit während des Spiels untermauerte. Vielleicht ist ja dieser erste Saisonsieg die Initialzündung für eine Leistungssteigerung. Zwei Stunden und achtzehn Minuten dauerte das Spiel, das wohl jedem der Anwesenden lange haften bleiben wird.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Sie müsseneingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben zu können.