Himmel und Hölle

Am vergangenen Samstag, den 18.März 2017, hat sich unfassbares in der Brauereiturnhalle in Bitterfeld zugetragen. Der VC Bitterfeld-Wolfen war Ausrichter für die Regionalmeisterschaft in der U16 weiblich und fieberte selbst seit Wochen diesem Event entgegen. Da die Mädels, um Kapitän Leah Falkenberg, sich zuvor souverän den Landesmeistertitel holten, waren die Hoffnungen auf eine erneute Teilnahme an einer deutschen Meisterschaft enorm.

Klare Titelanwärter auf den Regionalmeistertitel waren natürlich die Landesmeister aus Brandenburg und Berlin. Die Anspannung war bereits bei der Auslosung allen Teams anzumerken. Um 10:30 Uhr ging es dann los. In Gruppe B befand sich der VC Bitterfeld-Wolfen und musste direkt im ersten Spiel gegen das Volleyteam Berlin. Das war schon ein vorentscheidendes Spiel, wenn man im so wichtigen Halbfinale nicht auf SC Potsdam treffen wollte. Der Start der Mädels lies jedoch zu wünschen übrig. Viele Annahme- und Aufschlagfehler sorgten dafür, dass man gar nicht erst richtig ins Spiel kam und der erste Satz schon verloren war. Sichtlich nervös ging es in den zweiten Satz. BiWo rief bei Weitem nicht die Leistung ab, die man erwartete. Dennoch konnte man sich Satz 2 noch sichern und hatte durch den Aufwand nun sogar etwas mehr Kontrolle im Satz 3. Trotz einer 11:6 Führung im Tiebreak waren die Mädels jedoch nicht in er Lage das Spiel nach Hause zu bringen und verloren am Ende 14:16.

Das war ein harter Schlag und musste erst mal verdaut werden. Nicht viel Zeit blieb zum Erholen, denn direkt im Anschluss folgte das Spiel gegen Cottbus. Es dauerte einige Punkte bis man an Selbstbewusstsein wieder gewann, so dass der Anfang des ersten Satzes noch ausgeglichen war. Durch eine gute Aufschlagserie von Vanessa Müller begann dann endlich der so erhoffte Befreiungsschlag. Danach lief alles leichter. Satz 1 wurde am Ende relativ deutlich gewonnen und Satz 2 war dann ein Selbstläufer. Alle anderen Spiele liefen wie erwartet. Somit musste der VC Bitterfeld-Wolfen gegen den SC Potsdam im Halbfinale. Das andere Halbfinale bestritt das Volleyteam Berlin gegen den Berliner Volleyballverein Vorwärts, indem sich das VTB souverän durchsetzte.

Jetzt kam es drauf an. Wer das 2. Ticket zur deutschen Meisterschaft haben wollte, musste im Halbfinale gewinnen. Die letzten Jahre trafen der SC Potsdam und der VC Bitterfeld-Wolfen häufiger im Rennen um große Titel aufeinander. Trainer Michael Haßmann erinnerte die Mädels zuvor auf welchem Feld sie das Halbfinale austrugen. Es war das Feld auf dem sie vor 2 Jahren bereits gegen den SC Potsdam in einer Regionalmeisterschaft gewannen. Man hatte sich im Finale in der U14 zum Regionalmeister Nordost gekrönt. Und so ein Erfolg sollte nun wieder her.

Der Anfang verlief bis Mitte des 1. Satzes jedoch eher nach den Vorstellungen des SC Potsdam. Sie hatten bis dato immer das letzte Wort und führten kontinuierlich mit einigen Punkte. Es war schon beeindruckend wie groß die Potsdamerinnen im Vergleich zu Heimteam waren. Und das bekam man auch zu spüren. Doch BiWo verließ sich auf seine Stärken und leitet mit guten Aufschlägen und mutigen Angriffen die Wende ein. Annahme, das war die Schwachstelle der sonst überaus spielstarken Potsdamerinnen. Clever nutzte man diesen Punkt aus und plötzlich führte der VC BiWo auch schon 1:0 nach Sätzen.

Doch der SC Potsdam war abgeklärter als vor 2 Jahren. Wirkte nicht sonderlich beeindruckt vom Satzverlust und startete den Gegenangriff im 2. Satz. Beim VC BiWo schlichen sich zu viele Fehler ein und so ging der Satz verdient an den SC Potsdam. 1:1 nach Sätzen. Der Tiebreak musste es entscheiden. Die Spannung war zum greifen nah.

Man wusste, wenn man als Sieger vom Feld gehen wollte, dann musste nun der eigene Aufschlag und die Annahme sitzen. Doch es lief nichts wie geplant, die ersten 3 Spielerinnen vom VC BiWo verschlugen direkt ihren Aufschlag und der SC Potsdam war es, der mit guten Aufschlägen und unbändigen Selbstbewusstsein nun auftrat. Das Ergebnis ein 4:11 Rückstand. Die eigenen Fans im Rücken waren mittlerweile sehr ruhig, zu deutlich verlief der 3. Satz bis dahin. Die Potsdamer Fans feierten und der Organisator Christian Kiensch schrieb den VC Bitterfeld-Wolfen schon mal für das Spiel um Platz 3 ein.
Gegen so eine starke Mannschaft kann man so einen Rückstand im Tiebreak nicht mehr aufholen, daran glaubte niemand. Selbst die Hoffnungen der Mädels vom VC BiWo waren so gut wie erloschen. Doch es gab noch eine minimale, winzige Hoffnung. Trainer Michael Haßmann hatte am Freitag vor der Meisterschaft extra nochmal was zum Thema Aufschlag den Mädels zugeflüstert. Und das galt jetzt – ALLES oder NICHTS!

Eine Spielerin nahm sich das zu Herzen und sollte für die wohl größte Wende in einem Regionalmeisterschaftshalbfinale sorgen. Josi Hawel ging zum Aufschlag lies die Hoffnung in der Bitterfelder Brauereiturnhalle für die BiWo Fans wieder aufblühen. Sage und schreibe 9 Aufschläge schmetterte sie den Potsdamerinnen um die Ohren und so wurde aus einem aussichtslosen 4:11 Rückstand eine 13:11 Führung. Auf einmal waren wieder alle da. Die Mädels glaubten wieder an sich. Die Fans peitschten sie wieder nach vorne. Nur der SC Potsdam wurde sichtlich nervöser. Super spannend ging es hin und her, kein Team konnte sich nun mehr absetzen. Die Halle bebte bei jedem Punkt und so stand es 13:13 im Halbfinale um die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft. Josi Hawel hatte ihren Job getan und nun waren die Anderen an der Reihe. Mit einem Geistesblitz pritschte Zuspielerin Danielle Braatz einen Dankeball direkt wieder zurück in die hintere Ecke. 2 Spielerinnen vom SC Potsdam streckten sich, doch konnten den Ball nicht retten. Matchball für den VC BiWo! Änne König war es am Ende die mit einem Ass das Spiel beendete. Sieg im Halbfinale gegen den SC Potsdam nach 4:11 Rückstand. Pure Fassungslosigkeit machte sich breit. Die eine Seite konnte gar nicht glauben, dass sie es doch noch geschafft hatten, während die andere Seite nicht glauben wollte, dass sie diese Führung noch aus der Hand gegeben hatten. Doch es war passiert. Tränen flossen bei Spielerinnen und Eltern. Man hatte das große Ziel erreicht… das Ticket für die deutsche Meisterschaft.

Im Finale traf erneut der VC Bitterfeld-Wolfen auf das Volleyteam Berlin. Keine Frage, dass man das Finale unbedingt gewinnen wollte, doch die Spiele zuvor hatten viel Kraft gekostet. So veränderte man die Aufstellung im Finale um frische Kräfte zu bringen. Das brachte im ersten Satz auch großen Erfolg und einen sorglosen Satzgewinn. Im 2. Satz spürte man dann jedoch die Belastung der Mädels in den vorherigen Spielen. Die Mädels vom VTB wirkten einfach frischer. Da halfen auch keine Wechsel mehr und der Satz ging verloren. Wieder mal Tiebreak, wieder mal ein harter Kampf. Diesmal machte der VC Bitterfeld-Wolfen es aber besser und konnte sich bis zum 14:11 Matchball retten. Doch irgendwie sollte es heute nicht gegen Berlin sein. Die Spielerinnen waren platt, fühlten sich vielleicht auch schon zu sicher, jedenfalls verlor man sehr bitter den Tiebreak mit 14:16.

Das war zu Beginn natürlich enttäuschend. Kurze Zeit später betrachtete man das schon etwas nüchterner und die Freude zur Qualifikation überwog. Eine enorme Belastung hatten die Mädels durchgemacht und das VTB hatte an diesem Tag einfach immer das letzte Wort.

Das große Ziel wurde jedoch erreicht, die Planungen für die deutsche Meisterschaft sind schon im vollen Gange und am 13./14. Mai will man nochmal solch eine Sensation schaffen wie bei dieser Regionalmeisterschaft.

Zum Abschluss noch ein großes Lob an den SC Potsdam, die ein super Spiel abgeliefert haben und denen am Ende auch ein wenig Glück einfach fehlte. Die Mädels werden jedoch eine große Karriere vor sich haben.

Danke an alle Fans für die Unterstützung!
Danke an alle Helfer für das Turnier!
Danke an die Mädels, die unglaubliches geschafft haben!

Wer die Mädels zur DM noch begleiten möchte, kann dies gerne tun. Ein großer Bus und gemeinsames Hotel sind schon in Planung. Auf das es ein Super-Event wird wie vor 2 Jahren!

1 Kommentar
  1. Der letzte Punkt war kein Ass, sondern ein Ballwechsel in dem die Mädels drei Angriffe abwehrten und Potsdam dann den vierten Versuch gegen die Netzkante setzte 😉

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